Akademisierung der Physiotherapie geht am Ziel vorbei

Trafen sich in der Sebastian-Kneipp-Schule (von links): Marcus Troidl, Thomas Gindhart, Klaus Holetschek MdL, Christian Jaks, Stephan Stracke MdB, Dr. Peer H. Medau und Stefan Welzel (Bildnachweis: Leinich/Kneipp-Bund e.V.)

Gesprächsrunde mit MdB Stephan Stracke an der Sebastian-Kneipp-Schule 

Nach dem Berufsstand der Hebammen ist nun auch bei der Physiotherapie eine Vollakademisierung in der politischen Diskussion. Deshalb verschaffte sich der Bundestagsabgeordnete Stephan Stracke direkt vor Ort, in der Sebastian-Kneipp Schule Bad Wörishofen, einen Überblick und sprach mit den Beteiligten. Als stellvertretendes Mitglied des Ausschusses für Gesundheit im Bundestag weiß er um die Brisanz dieses Themas und nahm die Einladung von Kneipp-Bund-Präsident Klaus Holetschek, MdL (der Kneipp-Bund ist Träger der Schule) und Schatzmeister Stefan Welzel zu diesem Ortstermin gerne an. Schulleiter Thomas Gindhart erläuterte die Ausgangslage der Schule, die seit über 60 Jahren besteht und eine fundierte praxisorientierte Ausbildung für medizinische Bademeister und Physiotherapeuten anbietet. Mit der Schulgeldfreiheit, von der die Schülerinnen und Schüler seit Beginn dieses Schuljahrs profitieren, wurde ein wichtiger Schritt gemacht, um die Berufsausbildung attraktiver zu machen und dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Durch eine vollständige Akademisierung hingegen würde man den Zugangstrichter enger machen. Mittel- und Realschülern würde der Weg verbaut, weil der „vertikale Durchstieg“ nicht mehr möglich sei, so Gindhart. 

Diesem Argument stimmt auch Marcus Troidl, Bundesvorsitzender des VDB Physiotherapieverband Bundesverband e.V., angesichts rund 50.000 fehlender Therapeuten deutschlandweit zu. Er sieht das Grundproblem in der Uneinheitlichkeit der bestehenden Ausbildung einer undurchsichtigen Zertifikats-Struktur. Man brauche eine einheitliche, starke Ausbildung in der Praxis und zusätzlich eine Akademisierungsrate von etwa 30 Prozent. „Eine Teilakademisierung ist wichtig, damit wir nicht weiter ,beforscht` werden, sondern unseren Berufsstand selbst wissenschaftlich weiterentwickeln können“, so Troidls Plädoyer. Das Gros müsse aber weiterhin die schulische, praxisorientierte Ausbildung bleiben – sonst drohe der „Physiotherapieschock“, wenn die Absolventen erst nach dem Studium direkt am Patienten arbeiten. Troidl betonte auch die Bedeutung der Ausbildung für Masseure und medizinische Bademeister. 

Klaus Holetschek wies auf die Tragweite der Entscheidung zur Zukunft der Physiotherapeuten-Ausbildung hin, zumal in diesem Rahmen auch ein Direktzugang sowie Blankoverordnungen im Raum stünden. Er sprach sich dafür aus, die Qualität der schulischen Ausbildung zu heben und sie so zukunftsfähig zu machen. Christian Jaks, Prokurist der Medau-Schule Coburg, der sich gemeinsam mit Geschäftsführer Dr. Peer H. Medau an der Gesprächsrunde beteiligte, stellte die Vergleichbarkeit des Wissenstands akademischer und nicht-akademischer Ausgebildeter in Frage. So gebe es verstärkt Anfragen akademischer Physiotherapeuten aus dem Ausland, denen es massiv an Praxiskompetenz fehle. Das in vielen europäischen Ländern eingeführte Studium sei in diesem Bereich viel zu theorielastig und zu wenig spezifisch.

 „Angesichts des Fachkräftemangels müsse man der Vollakademisierung weiter eine Absage erteilen. Der vertikale Weg muss offen bleiben“, so Strackes Fazit. 

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